Keine Chance für den Holzwurm

Zeitungsbericht aus der Leipziger Volkszeitung

Die Durchwehnaer Kirche hat zwar nicht der Verhüllungskünstler Christo entdeckt, dafür aber der Holzwurm. Seit gestern wird dem Nagekäfer, der sich fliegend neue Eiablageplätze suchen kann und kühlere Orte bevorzugt, der Kampf angesagt. Am Mittwoch wurde deshalb die Kirche zunächst mit weißer gasdichter Folie verhüllt. Doch während das Künstlerehepaar  Christo und Jeanne-Claude den Berliner Reichstag 1995 unter Stoff versteckte, nimmt die Dresdener Schädlingsbekämpfungsfirma Groli eine weiße gasdichte Folie.

Insgesamt drei Mitarbeiter verpackten, verlegten und klebten einen Tag lang rund 560 Quadratmeter Folie mit Hunderten von Metern Klebeband. „Öffnungen wie die Fenster “, so erzählt Marco Müller, Geschäftsführer der 20 Mitarbeiter zählenden GmbH, die als eine von drei Firmen deutschlandweit zusätzlich zu Ratten und Co. auch Holzwürmern den Kampf ansagt, „werden noch extra geklebt.“ Der Baukörper selbst hält dagegen auch ohne Folie dicht.

Wie die Behandlung an sich vor sich geht, erklärt Marco Müller so: „Über Schläuche wird das Gas Sulfuryldifluorid von außen ins Gebäude eingeleitet. Wir müssen dabei auf die Thermik achten, da die Gaskonzentration für eine bestimmte Zeit gehalten werden muss.“ Der Vorgang selbst, der etwa vier Tage dauere und der sich Präzisionsbegasung nennt, werde mit Messpunkten überwacht. 

Danach sollte die spätromanische Kirche den zwei bis fünf Millimeter großen Holzwurm, der sich auch in Durchwehna durch nervendes Knarzen und herausquellendes Holzmehl akustisch und visuell verrät, los sein.

Pfarrer Andreas Ohle: „Insbesondere im Dachstuhl hat sich der Holzwurm breit gemacht.“ Die Befürchtung sei vor allem, dass der Holzwurm den Turm runterklettert und auch an dem sanierten Schnitzaltar und an der Kanzel nicht halt macht. „Das Problem beschäftigt uns seit über einen Jahr“, erzählt der Pfarrer weiter. So lange habe es auch gedauert, um die benötigten rund 10 000 Euro zusammen zu bekommen. Obwohl es Fördermittel gab, musste die Kirchgemeinde des Pfarrbereichs Authausen, die derzeit übrigens auch für ein elektrisches Glockengeläut Durchwehna sammelt, trotzdem noch 2500 Euro selbst aufbringen.

Neben den Holzwürmern im Dachgebälk selbst geht es übrigens auch etlichen Artgenossen an den Kragen. Denn die Möglichkeit, befallene Dinge von Zuhause gleich mit behandeln zu lassen, wurde durchaus rege genutzt.

Ab Montag ist das besondere Durchwehnaer Schauspiel bereits vorbei. „Wir gehen davon aus“, so Marco Müller, „dass wir dann das Gas absaugen und die Kirche wieder enthüllen können.“

Obwohl sich die Experten dank der Messwerte und ihrer Erfahrung auf der sicheren Seite fühlen, wird im Anschluss trotzdem noch ein in der Kirche stationierter und mit Holzwürmern präparierter Prüfbalken von einem externen Prüfbüro in Eberswalde untersucht. „Die Probe wird sogar noch einmal bebrütet, um auszuschließen, dass sich der Holzwurm schlafend stellt“, erklärt der Experte. Nach Ablauf des etwa drei Wochen dauernden Prozesses in Eberswalde erhält die Kirchgemeinde dafür aber dann auch die zertifizierte Versicherung: Die Kirche ist wieder holzwurmfrei.

Text: Ilka Fischer

Die "eingepackte" Kirche Durchwehna

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