Dresdner Morgenpost - Schädlinge

Die deutsche Z-Prominenz reist extra in den australischen Dschungel, um sich medienwirksam vor Würmern, Kakerlaken und Spinnen zu ekeln. Dabei leben viele Krabbeltiere auch hierzulande – oft sogar als ungebetene Untermieter in unseren vier Wänden. Haben sie sich erst einmal heimisch eingerichtet, schlägt die Stunde von Schädlingsbekämpfer Marco Müller (44). Denn nur selten wollen wir eine Langzeit-WG mit den lästigen Tierchen eingehen.

Ob Wanzen im Bett, Ratten in den Wänden oder Wespennester unterm Dach: Marco Müller, Chef der Groli GmbH, kennt keine Angst vor kleinen oder großen (Krabbel-)Tieren. Täglich sagen die 18 Angestellten seines Unternehmens Schädlingen den Kampf an. Sie gelten als die „Christos“ von Dresden – verhüllen ganze Kirchen, um sie anschließend auszuräuchern.

Doch eines möchte der Kammerjäger sofort klarstellen: „Schädlinge können jeden treffen! Das sagt nichts über die Reinlichkeit aus. Manchmal haben sogar Schaben Charakter und gehen nicht mal in eine Messiwohnung“, meint er lachend. Viele Schädlinge würden vielmehr von Reisen mitgebracht – Bettwanzen etwa, die gerne in Hotels absteigen.

Schädlinge treten dabei je nach Jahreszeit unterschiedlich auf. „Lebensmittelmotten, Ratten und Mäuse haben wir ganzjährig“, erklärt der Kammerjäger. Ebenso Schaben und Bettwanzen. Wespen, Fliegen und Spinnen hingegen sind von Frühling bis Herbst aktiv. Letztere seien zwar keine klassischen Schädlinge, werden aber dazu gemacht, weil sich Menschen vor ihnen ekeln oder sie ihnen lästig sind. „Für die einen ist es ein Schädling, für andere ein Mitbewohner.“

Haben die Profis geklärt, um welchen ungebetenen Gast es sich wirklich handelt, kommen verschiedene Mittel zum Einsatz. Nicht immer muss es die Chemiekeule sein. „Wir schauen immer erst, lässt sich baulich etwas verändern oder mit biologischen Mitteln arbeiten“, erklärt Müller. So können Netze angebracht oder Nistplätze unattraktiv gemacht werden, um etwa Tauben zu vergrämen. (Lebend-)Fallen wiederum machen Mäusen und Ratten den Garaus. Auch Hitze (45-50 Grad) mögen viele Tierchen nicht.

Oft reiche aber schon eine Beratung. So rät der Profi: „Man sollte keine Essensreste herum stehen lassen, aber auch nicht ins Klo schütten. Damit füttert man die Ratten an.“ Außerdem sollten Vorräte in Boxen aufbewahrt und Einkäufe kontrolliert werden, um Lebensmittelmotten fern zu halten. Gage an Fenstern hindere Fliegen und Co am Einzug.

Unangenehm wird es für die Schädlingsexperten, wenn sie von der Polizei wegen eines Leichenfunds gerufen werden. „Nach einer gewissen Liegezeit treten Schädlinge auf und die müssen dann bekämpft werden.“ Vor allem der Geruch präge sich ein. „Da verschiebt sich sogar unsere Ekelgrenze.“

 

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